Ankunft bei Aufbruch

Sebastian Hesse | Christian Reister | Andreas Rost | Katrin Ströbel

4. November 2008

Grüsse aus Kabul

Abgelegt unter: Grüße aus Kabul — Andreas Rost @ 19:43

Andreas Rost - im Projekt Ankunft bei Aufbruch mit Fotografien aus Kabul 2007 vertreten - befindet sich derzeit wieder vor Ort…

Lieber Christian, lieber Sebastian,

mit einem Tag Verspätung bin ich in Kabul angekommen. Den Tag muß ich natürlich wieder rausarbeiten. Also vom Flugzeug gleich rein ins Auto und ab zum französischen Bäcker, die Begrüßung besteht aus 2 kg Gebäck für die Institutsmitarbeiter. Wir sind in Kabul - kein Alkohol. Auf der Fahrt durch die Stadt sehe ich noch mehr Waffen als letztes Jahr. Straßen, die wir letztes Jahr befahren konnten sind jetzt gesperrt. Die Lage hat sich scheinbar wirklich verschlimmert. Das Hotel ist voll mit deutscher Polizei, um mich braucht ihr euch also keine Sorgen machen. Aber die Nervosität ist ansteckend, auch ich fange an um mich zu sehen bevor ich auf die Straße gehe und vom Auto aus schaue ich nach verdächtigen Fahrradfahrern.

Bei meinen ersten Kurs treffe ich die Teilnehmer vom letzten Jahr. Ich freue mich sie alle wohlbehalten wieder zu sehen und sie haben ausnahmslos weitergearbeitet, auch das ist erstaunlich für dieses Land. Vielleicht sollte ich diesen Eifer als persönliches Kompliment auffassen.

Der nächste Tag in der Kunsthochschule wird ein voller Reinfall, obwohl ich bei den Absprachen dabei war funktioniert nichts. Ich muß 2 Stunden lang improvisieren und komme mir vor wie Zirkuspferd. Keiner der Studenten hat eine Kamera und die des Fachbereichs sind alle kaputt. Vielleicht sollte ich Lochkameras bauen? Wie soll ich das 14 Tage durchhalten? 

Abends im Hotel kämpfe ich mit den ständigen Stromausfällen und beginnenden Winterkälte. Ich habe die Taschenlampe immer griffbereit und gehe mit dem halben Kofferinhalt auf dem Körper ins Bett. Dafür kann ich zum Frühstück Energie in Form von gebratenen Würsten oder fritierten Spiegeleiern zu mir nehmen.
Trost spendet mir eine gute Flasche Whisky, von der ich nicht wuste, daß ich sie hätte gar nicht einführen dürfen. Ich habe sie, wie alles andere auch, in das Röntgengerät gelegt und keiner hat es bemerkt. Glück muß man haben!

Viele liebe Grüße
Andreas

 

 

 

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