Ankunft bei Aufbruch

Sebastian Hesse | Christian Reister | Andreas Rost | Katrin Ströbel

17. November 2008

Grüsse aus Freetown / Sierra Leone

Abgelegt unter: Grüße aus Sierra Leone — Christian Reister @ 21:48


Schulweg

Derzeit bin ich in Sierra Leone um ein NGO Schulprojekt fotografisch zu dokumentieren. Mein Freund Stephan unterstützt das Projekt finanziell und hat mich eingeladen, uns das Projekt vor Ort anzusehen. Mit uns gestern angereist ist Frau Göbel aus Berlin von dem Verein, der die Spenden hierhin weiterleitet. Begleitet werden wir von Shannoh Kandoh, Günder der beiden Schulen, und einem Fahrer. Der erste Tag ging mit Frühstück um 7 los, war heiß (wer hätte das gedacht?) und viel zu eindruckvsoll, um einen halbwegs reflektierten Beitrag zu schreiben.


In Rokel bei Freetown 

Wir befinden uns in einem der allerärmsten Länder der Welt aber gleichzeitig in einer nahezu paradisischen Kulisse. Wir wohnen in der Hauptstadt Freetown auf der östlichen Seite – Blick aus dem Hotelfenster auf Palmen und Meer. Die Schule, die wir heute besucht haben, liegt in Rokel, etwas westlich von Freetown, so dass wir heute viel Zeit im Auto verbracht haben um quer durch die Stadt und mit einen Schlenker über die Deutsche Botschaft und über traumhafte Natur die Schule zu erreichen. In der Schule enstanden viele „süße“ und Gott sei Dank auch ein paar richtig gute Kinderfotos, die ihre Aufgabe - Spenden für das Projekt zu aquirieren - hoffentlich erffüllen werden. Erstaunlich die Ernsthaftigkeit der Kinder (alle um die 6) zu Beginn, später war dann vor lauter Blödsinnmachen und Ichwillauchnochaufsbild nur noch ein lustiges Tohuwabohu.


In Rokel bei Freetown 

Im benachbarten Dorf dann große Tauer. Ein Kind ist ertrunken. Man sagt uns, es sei beim Holzholen gewesen und von Fischern angeheißen worden, aus irgendeinem Grund ins Wasser zu springen. Warum es dann keiner gerettet hat und was das ganze sollte, bleibt ungeklärt. Shannoh sagt, eine typische Folge von Kinderarbeit und wie hier teilweise mit Kindern umgegangen wird. Betreten laufen wir weiter.

Im nächsten Dorf ein großes Hallo – vom Imam bis zum Ortvorsteher sind alle gekommen um uns Bananen zu überreichen. Es folgt eine Art „Öffentliche Gemeindesitzung“ – der einzige Brunnen im Dorf funktioniert nicht, Schulen sind super, aber erst mal müsse man Wasser haben. Es folgt eine lebhafte Diskussion, Shannoh macht deutlich, dass er und wir hier seien, um die Schule voranzubringen und bemängelt Eigeninitiative hinsichtlich des Brunnens. Irgendwann brechen wir auf, viele winkende Hände verfolgen uns.


Trügerische Romantik. Im Wasser schwimmt eine Kinderleiche.

 


Zurueck nach Freetown

15. November 2008

Eröffnet

Abgelegt unter: Ankunft bei Aufbruch — Christian Reister @ 23:34

Schön war’s! Ein zahlreiches Publikum und den ganzen Abend über ein munteres Kommen und Gehen. Leider haben wir nicht viele Fotos gemacht. Vielleicht schickt uns jemand welche? mail[at]reister.de

v.l.n.r.: Katrin Ströbel, Christian Reister, Sebastian Hesse (mit unserem Buch).

Julia ließt Teile aus Andreas Rosts Briefen aus Kabul.

14. November 2008

Grüsse aus Kabul VII

Abgelegt unter: Grüße aus Kabul — Andreas Rost @ 19:33

Keine Entführung, keine Bombe, auch nicht der von E. Jünger so gerühmte “saubere Schuß in den Hinterkopf”. Alles war friedlich, so friedlich eben, wie es in Kabul sein kann. Ich glaube, ich hatte nicht nur Glück, vor Ort sieht es immer ein wenig anders aus, als in den Nachrichten.

An meinem letzten freien Vormittag konnte ich den Fahrer des Hotels bekommen. Wir sind einfach durch die Gegend gefahren. Ich bin immer mal wieder ausgestiegen und habe fotografiert. Das ist doch das schönste, einfach Bilder jagen gehen. Als moderner Künstler habe ich natürlich ein schlechtes Gewissen, so ohne Konzept und theoretischen Überbau, einfach planlos rum zu knipsen. Anderseits was gibt es schöneres als sich von der Wirklichkeit überraschen zu lassen, mal alle Meinungen beiseite schieben und staunen.

Ihr steht jetzt kurz vor der Eröffnung, seit sicher schon aufgeregt und ich muß noch vier Stunden auf meinen Flug warten. Zeit die letzten Bilder zu sortieren und während ich gegen den Schlaf kämpfe mich darüber zu wundern, wo ich gerade gewesen bin. Kommt mir schon wieder alles so unwirklich vor. Gut, das ich fotografiert habe, sonst würde ich nicht glauben, dort gewesen zu sein.

Freitag ist ja so was wie unser Sonntag. Die Menschen sind freundlich und der nächtliche Regen hat auch die Luft gesäubert.

Der hübsche kleine Kanal in der Mitte des Weges riecht gar fürchterlich und ist häufig verstopft. Atemschutz für Europäer sehr zu empfehlen.

Kinder gehen Wasser holen. Sieht nett aus, da sie das aber immer tun müssen, und dazu noch einiges andere mehr, können sie nicht zur Schule gehen.

Obwohl Freitag ist, die Geschäfte stehen niemals still.

 

 

Mein letztes Bild aus Kabul.

Heute Vernissage + Buchpräsentation

Abgelegt unter: Ankunft bei Aufbruch — Christian Reister @ 14:49

Die Ausstellung ANKUNFT BEI AUFBRUCH wird am 14.11.08 öffentlich und feierlich eröffnet. Beginn: 19 Uhr - Ende: wenn der letzte geht. Wir freuen uns auf ein zahlreiches Publikum. Hier findet sich das Meinblau auf dem Gelände des Pfefferberg.
Ab morgen ist die Austellung bis zum 14. Dezember immer Do. und Fr. von 16 – 19 Uhr geöffnet und am Sa. bis So. von 14 – 19 Uhr.

aufbau bei ankunft bei aufbruch mit hund

Abgelegt unter: Import/Export — Katrin Stroebel @ 14:48

13. November 2008

Grüsse aus Kabul VI

Abgelegt unter: Grüße aus Kabul — Andreas Rost @ 19:22

Verfolge aus der Ferne, was ihr da so treibt in Berlin, dank der modernen Technik. Mittlerweile hat man sich so daran gewöhnt, daß man richtig sauer wird, sollte es mal nicht funktionieren. Heute habe ich Glück, trotz Regen, das Internet geht. Was kann ich anderes tun, als euch mit Bildern aus Kabul füttern.
Heute der letzte Arbeitstag hier.

Ich sehe es mit einem lächelnden und einem weinenden Auge. Natürlich sind mir viele der Studenten ans Herz gewachsen. Abschiednehmen ist immer schwer, besonders da ich nicht weiß, wie sich die Lage in Kabul weiterhin entwickeln wird.

Anderseits bin ich unglaublich froh endlich Hanayo wieder sehen zu können. Nichts wie weg hier. Es gibt so viele arme, bettelnde Kinder und natürlich habe ich inzwischen gelernt, wie sich zu verhalten ist. Aber die Gedanken an Hanayo gehen mir nicht aus dem Kopf. Wie froh kann ich sein, sie in Sicherheit zu wissen. Die Deutschlehrer erzählen mir ein Schuljahr dauert bestenfalls 6 Monate, die Lehrer sind vollkommen unterbezahlt und dementsprechend motiviert. Am Ende stehe ich in der Hochschule und muß feststellen, selbst einfachste Kenntnisse aus Physik und Chemie fehlen. Viele jedoch können nicht einmal lesen oder schreiben. Gestern sitze ich mit meinem Übersetzer zum Mittagessen im Restaurant und es ist vollkommen klar, wir beide gehören unserer sozialen Stellung nach nicht in diesen Laden. Dazu gehört auch, daß wir beide lesen können. Ein Mann steht auf, mit einem Zettel in der Hand und bittet den Übersetzer ihn das Papier, ein Lieferschein, vorzulesen. Der Mann ist Kraftfahrer und wollte noch mal genau hören wo er hinfahren soll. Er ist sehr freundlich und in Sorge, ob er auch alles perfekt macht. Jeder hier kämpft um das Überleben, denn vor allem geht es darum.

Die Tage hier sind anstrengend, das Militär, die Kontrollen, der Dreck, der Gestank, die Armut, am Abend bin ich so fertig, daß ich keinen klaren Gedanken mehr finde. 3,5 Stunden beträgt der Zeitunterschied. Wenn ich in Kabul Feierabend habe läuft in Deutschland auf  ARD und ZDF das Nachmittagsprogramm. Grauenerregend, aber es ist das was in meinen Kopf noch reinpaßt. Ich sollte trotzdem mal in die andere Richtung fliegen, dorthin wo das Nachtprogramm am Nachmittag läuft.

Heute am letzten Tag bin ich das erste Mal allein unterwegs gewesen. Es ging ganz gut, ich habe 5 Kleinbildfilme belichtet und auch wieder Porträts versucht.

 

 

 

 

« Neuere ArtikelÄltere Artikel »

Website powered by WordPress | Die Ausstellung findet statt im Rahmen des 3. Europäischen Monat der Fotografie in Berlin,
wird gefördert durch die Stiftung Pfefferwerk und freundlich unterstützt durch das foto image factory gmbh