Ankunft bei Aufbruch

Sebastian Hesse | Christian Reister | Andreas Rost | Katrin Ströbel

13. November 2008

Grüsse aus Kabul VI

Abgelegt unter: Grüße aus Kabul — Andreas Rost @ 19:22

Verfolge aus der Ferne, was ihr da so treibt in Berlin, dank der modernen Technik. Mittlerweile hat man sich so daran gewöhnt, daß man richtig sauer wird, sollte es mal nicht funktionieren. Heute habe ich Glück, trotz Regen, das Internet geht. Was kann ich anderes tun, als euch mit Bildern aus Kabul füttern.
Heute der letzte Arbeitstag hier.

Ich sehe es mit einem lächelnden und einem weinenden Auge. Natürlich sind mir viele der Studenten ans Herz gewachsen. Abschiednehmen ist immer schwer, besonders da ich nicht weiß, wie sich die Lage in Kabul weiterhin entwickeln wird.

Anderseits bin ich unglaublich froh endlich Hanayo wieder sehen zu können. Nichts wie weg hier. Es gibt so viele arme, bettelnde Kinder und natürlich habe ich inzwischen gelernt, wie sich zu verhalten ist. Aber die Gedanken an Hanayo gehen mir nicht aus dem Kopf. Wie froh kann ich sein, sie in Sicherheit zu wissen. Die Deutschlehrer erzählen mir ein Schuljahr dauert bestenfalls 6 Monate, die Lehrer sind vollkommen unterbezahlt und dementsprechend motiviert. Am Ende stehe ich in der Hochschule und muß feststellen, selbst einfachste Kenntnisse aus Physik und Chemie fehlen. Viele jedoch können nicht einmal lesen oder schreiben. Gestern sitze ich mit meinem Übersetzer zum Mittagessen im Restaurant und es ist vollkommen klar, wir beide gehören unserer sozialen Stellung nach nicht in diesen Laden. Dazu gehört auch, daß wir beide lesen können. Ein Mann steht auf, mit einem Zettel in der Hand und bittet den Übersetzer ihn das Papier, ein Lieferschein, vorzulesen. Der Mann ist Kraftfahrer und wollte noch mal genau hören wo er hinfahren soll. Er ist sehr freundlich und in Sorge, ob er auch alles perfekt macht. Jeder hier kämpft um das Überleben, denn vor allem geht es darum.

Die Tage hier sind anstrengend, das Militär, die Kontrollen, der Dreck, der Gestank, die Armut, am Abend bin ich so fertig, daß ich keinen klaren Gedanken mehr finde. 3,5 Stunden beträgt der Zeitunterschied. Wenn ich in Kabul Feierabend habe läuft in Deutschland auf  ARD und ZDF das Nachmittagsprogramm. Grauenerregend, aber es ist das was in meinen Kopf noch reinpaßt. Ich sollte trotzdem mal in die andere Richtung fliegen, dorthin wo das Nachtprogramm am Nachmittag läuft.

Heute am letzten Tag bin ich das erste Mal allein unterwegs gewesen. Es ging ganz gut, ich habe 5 Kleinbildfilme belichtet und auch wieder Porträts versucht.

 

 

 

 

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