Ankunft bei Aufbruch

Sebastian Hesse | Christian Reister | Andreas Rost | Katrin Ströbel

12. November 2008

Theater (Grüsse aus Kabul V)

Abgelegt unter: Grüße aus Kabul — Andreas Rost @ 18:20

Draußen donnert es, erst erschrecke ich mich. Eine Bombe?  Aber dann beginn es zu regnen, alles ist sicher. Nur das Internet fällt aus. Mal sehen wann ich die Mail an dich losbekomme. Regen ist hier sehr selten, ich freue mich auf die gute Luft, die es kurzzeitig geben wird. Seit meiner Ankunft habe ich Nasenbluten, das Klima und die Luft sind nix für mich.

Heute hatte ich den letzten Tag in der Hochschule, etwas Entspannung für mich. Die Studenten sind traurig, aber ich finde mein Einsatz hier war wenig sinnvoll. Nächstes und übernächstes Jahr müßte ich den Einsatz wiederholen und auch danach immer wieder. Dazu habe ich keine Lust. Man müßte die Lehrer trainieren.

Gestern habe ich mit den Studenten das Nationaltheater besucht - ein witziger 70er Jahre Bau. Im Bürgerkrieg total zerstört und immer noch eine Ruine. Einige Studenten haben die Ruine noch nicht gesehen, alle sind beeindruckt. Es entsteht die Idee die Ausstellung nächstes Jahr dort zu machen.

Die Schüler erzählen vom Krieg, von den Taliban, unglaublich was sie alles ansehen mußten. Wie bekommt man diese Bilder wieder aus dem Kopf? Ich hatte letztes Jahr schon Schwierigkeiten wieder in Deutschland anzukommen, nach meinem ersten Kabulbesuch.

Das Internet geht wieder. Vielleicht schaffe ich es die Mail abzusetzen.
 
In Gedanken bin ganz bei euch und frage mich wie die Ausstellung wohl werden wird. Letztlich bleiben es immer nur Bilder was ich so produziere. Immer etwas Übertragenes, nicht die Wirklichkeit. Professionelle Distanz ist gut, aber werden die Bilder nicht zu kalt? Letztlich bleibe ich ein Beobachter, ein Außenstehender.
Meine Studenten, insbesondere die Frauen dürften nicht so durch die Straßen laufen wie ich das tue und fotografieren. Ich bin Ausländer und mir ist niemand böse. Vielleicht weil mir unterstellt wird, ich würde berichten und meine Berichte könnten dazu beitragen ihre Lage zu verbessern. In meinen Gesprächen bemerke ich einen naiven Glauben an die Stärke des Westens. Engländer und Amerikaner stehen nicht mehr so hoch im Kurs, aber die Deutschen sind ja Arier, so wie die Leute hier und die Arier würden immer siegen. Also, so nun wollte ich auch wieder nicht geliebt werden. Ich hatte ein Gespräch mit einem Hellseher und wollte mir fast schon meine Zukunft vorhersagen lassen, als er mit diesem Kram anfing.
 
Ohne Einblicke in die Zukunft, aber voller Hoffnung auf die Ausstellung,
liebe Grüße,
Andreas

 Im Theater ist jetzt notdürftig eine Schule untergebracht.

 Träume werden vor dem Theater gelebt.

 Und noch einige Porträts.

 

 

 

Jetzt tauche ich auch mal ab.

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wird gefördert durch die Stiftung Pfefferwerk und freundlich unterstützt durch das foto image factory gmbh