Nigerias wilder Norden

Reiter aus der Sahel-Zone

Durbar in Kano

Vor der Durbar

Durbar in Kano

Reiter aus der Sahel-Zone

Durbar in Kano

Vor der Durbar

Durbar in Kano

Schulgarten
Gestern abend aus tropischer Hitze ins verschneite Berlin zurückgekehrt. Hoffe, mein Koffer schafft den Weg auch noch. Die weiteren Tage der Reise waren von vielen Eindrücken geprägt, die ich aufgrund von Internet- und Stromausfällen nicht mehr berichten konnte. Ich schicke ein paar Fotos mit Kurznotizen hinterher und ein paar weiterführende Links. Neben den Wikipedia-Einträgen zu Sierra Leone, der Hauptstadt Freetown und Makeni, einer Stadt weiter im Landesinneren, die wir auch besucht haben, gibt es hier Infos und Filme zu der Goderich Waldorf School:

Im Stadtzentrum / Regierungsviertel






Vor dem Bildungsministerium nach unserem Treffen mit dem Bildungsminister von Sierra Leone
v.l.n.r.: Nana Göbel, Stephan Rivoir, Shannoh Kandoh
Am späten Abend unserer Vernissage kam der Berliner Kunstkontakter vorbei. Hier sein Video.

Schulkueche
Dritter Tag. Heute stehen in erster Linie Termine mit Botschaften, Regierungsmitgliedern und derartiges auf dem Programm. Ich bin vorerst nicht dabei. Durchfall und Übelkeit. Komisch – den anderen geht es allen gut. Fühlt sich aber so an, als ob es nach ein paar Stunden vorbeisein wird, ich hoffe das beste. Die Nacht war nicht schön – Träume von Toten auf dem Alexanderplatz (in Berlin!). Nicht richtig schlafen können. Laute Klimaanlage und ein völlig verspannter Rücken.

Kinder am Strassenrand, hinten die Goderich School
Nachdem wir am ersten Tag die neue Schule in Rokel besucht haben, wo es totz aller Armut sehr idyllisch aussieht, haben wir gestern die Goderich School besucht. Diese Schule gibt es seit ein paar Jahren, liegt am Rande der Slums, wo die Kinder wohnen. Drumrum entstehen für hiesige Verhältnisse prunkvolle Bauten (also kleine Häuser mit Türen und Dächern), was die Zukunft der Schule gefährdet. Sie steht auf gemietetem Gelände – die Angst vor demnächst unbezahlbarer Pacht ist groß. In der Schule haben wir mit etwas Verspätung und einer kurzen Unterbrechung den ganzen Schultag verbracht, haben in allen Klassen reingeschuppert und ich habe über 500 Fotos von den Kids gemacht. Nach Schulschluß Gesprächsrunde mit den Lehrern. Nicht nur die Kinder müssen vor und nach der Schule arbeiten, auch die Lehrer. Die Müdigkeit der Kinder und Lehrer ist deutlich zu spüren, eine Lehrerin nickt während des Gesprächs kurzzeitig ein. Die Geschichten über die Lebensverhältnisse der Kinder sind haarsträubend. Die meisten werden von den Eltern nach der Schule losgeschickt, um irgenwas zu verkaufen (von Zigaretten bis Klopapier), in wie weit die Kinder auch Drogen dealen weiss ich nicht, klar ist, dass das ganze Viertel nach Nachteinbruch zu einem Bordell und Drogensumpf umkippt. Essen gibt es zuhause bei den meisten Kindern erst, wenn sie genug verkauft haben oder ihr Essen sonstwie erarbeitet haben. Viele schlafen vor den Baracken, auf dem Boden, in Räumen, in denen über Nacht Fische geräuchert werden oder sonst wo. Bis spät in die Nacht herrscht Lärm, früh morgen kehren die Fischer zurück, dann heisst es wieder anpacken. Kinderarbeitstage, die um 4 Uhr beginnen, sind keine Seltenheit.

Slums am Strand von Feetown



Zum Todesfall am Montag haben wir erfahren, dass es gang und gäbe ist, dass Kinder ins Wasser müssen um die Fische zu ängstigen, die dann in Richtung Netz schwimmen sollen. Das ist ja alles noch halbwegs erfassbar, dass es aber dann, wenn es zu ertrinken droht, von keinem der Fischer bemerkt und gerettet wird übersteigt unser Vorstellungsvermögen dann doch. Dieser Umgang mit den eigenen Kindern ist für uns einfach nicht zu verstehen.
Zwischen dem Schreiben und dem Einstellen dieses Postings liegen einige Stunden. Mein Bauch fuehlt sich besser an, mit unserem Fahrer Solomon bin ich etwas durch die Strassen geschlendert. Morgen werden wir das Hotel verlassen und ins Landesinnere fahren.
Website powered by WordPress | Die Ausstellung findet statt im Rahmen des 3. Europäischen Monat der Fotografie in Berlin,
wird gefördert durch die Stiftung Pfefferwerk und freundlich unterstützt durch das foto image factory gmbh